Ein Jahr „Tierschutzgesetz“ in der Türkei – unser Fazit aus Sicht des Tierschutzes

|6. Oktober 2025 @ 1:36

Vor einem Jahr trat in der Türkei das neue Gesetz zum Umgang mit Straßentieren in Kraft. 

Offiziell verfolgt es drei Ziele: 

  1. Straßenhunde sollen eingefangen und in Tierheimen untergebracht werden. 
  2. Dort sollen sie geimpft, kastriert und anschließend vermittelt werden. 
  3. Hunde, die krank, unheilbar oder „aggressiv“ sind, dürfen eingeschläfert werden. 

Die Gemeinden wurden verpflichtet, bis 2028 ausreichend Tierheime zu bauen und zu betreiben. Die Realität sieht anders aus: In vielen Städten und Dörfern fehlt die Infrastruktur – es gibt weder genügend Plätze noch ausreichend Personal in den Tierheimen. Auch in dem Tierheim, mit dem wir zusammenarbeiten, berichten die Mitarbeitenden, dass sie zu wenig Platz haben. Was „krank“ oder „gefährlich“ bedeutet, bleibt schwammig und öffnet Tür und Tor für systematisches Töten. In der Praxis verschwinden täglich Hunde von den Straßen.

Unsere Erfahrung nach einem Jahr: Auf unseren Futterrouten in den Bergen haben wir früher gemeinsam mit anderen Tierschützern über 100 Hunde versorgt. Heute sind fast 90 % davon verschwunden. Auch im Dorf Demirtas fehlen viele vertraute Tiere. Unsere Hündin Alisha z. B. lebte jahrelang friedlich auf der Straße, von den Dorfbewohnern akzeptiert. Im Frühjahr fanden wir sie plötzlich im Tierheim wieder. Wir konnten sie retten. Viele andere hatten dieses Glück nicht.

Die Folgen: Überfüllte Tierheime, in denen Hunde jahrelang ausharren. Psychische und körperliche Erkrankungen durch Stress, Isolation und mangelnde Pflege. Weniger Sichtbarkeit von Straßentieren – aber nicht, weil es ihnen besser geht. 

Unsere Forderung: Das ist kein Tierschutz im europäischen Sinne. Statt Einsperren und Töten braucht es: 

  • flächendeckende Kastrations- und Impfprogramme 
  • Bildungsarbeit und Aufklärung in der Bevölkerung 
  • Zusammenarbeit mit lokalen Tierschützern

Nur so kann eine tiergerechte und nachhaltige Lösung entstehen. Es ist uns wichtig zu betonen, dass wir hier von allgemeinen Erfahrungen in der Türkei sprechen, die sich nicht spezifisch auf das Tierheim beziehen, mit dem wir zusammen arbeiten.