Wer unsere Arbeit verfolgt, weiß, wofür Kitmir gegründet wurde.Wir möchten das Leid der Straßenhunde und Straßenkatzen in der Türkei lindern. Wir organisieren Kastrationen, versorgen Tiere mit Futter, behandeln Notfälle und schenken denjenigen eine Zukunft, die auf der Straße keine Chance mehr haben.Doch in den vergangenen zwei Jahren – und ganz besonders in den letzten Monaten – beobachten wir eine Entwicklung, die uns immer mehr beschäftigt.
Wir werden zunehmend wegen privater Tierabgaben kontaktiert. Auffällig ist dabei, dass es sich häufig um Rassehunde und Rassekatzen handelt. Tiere, die gekauft wurden und irgendwann nicht mehr gewollt sind.
Natürlich macht ein Pomeranian nicht weniger Leid durch als ein Straßenhund. Eine Perserkatze leidet nicht weniger als eine Straßenkatze. Jedes Tier hat ein Recht auf Schutz und ein sicheres Zuhause.Und trotzdem unterscheiden sich diese Fälle grundlegend von den Tieren, denen wir eigentlich helfen möchten. Denn diese Notlage ist in den allermeisten Fällen menschengemacht – und vermeidbar.
Ein Tier gekauft wie einen Gegenstand
Die Geschichten ähneln sich erschreckend oft.Ein kleiner Welpe oder ein flauschiges Kitten wird gekauft. Ein paar Scheine wechseln den Besitzer und das Tier wird in einem Karton mit nach Hause genommen.Es gibt keinen Kaufvertrag. Keine Beratung. Keine Vorkontrolle. Niemand prüft, ob die Familie überhaupt dauerhaft für ein Tier sorgen kann. Nach dem Kauf besteht meist keinerlei Kontakt mehr zum Verkäufer.Anfangs ist alles aufregend, der Welpe ist niedlich, das Kitten verspielt.Doch aus den großen Kulleraugen wird ein erwachsener Hund mit eigenen Bedürfnissen. Vielleicht werden Möbel angeknabbert. Vielleicht zeigt sich eine erblich bedingte Erkrankung. Vielleicht kostet das Tier mehr Zeit oder Geld als erwartet.Und plötzlich ist es unerwünscht. Nicht selten hören wir Sätze wie: "Entweder jemand holt das Tier ab oder wir setzen es auf die Straße."
Für Hunde und Katzen, die ihr ganzes Leben als Haustier verbracht haben, ist das oft ein Todesurteil. Sie wissen nicht, wie sie Futter finden. Sie kennen keine Revierkämpfe. Sie sind auf den Menschen geprägt und dem Leben auf der Straße schutzlos ausgeliefert.
Cookie – Familienhund bis zu dem Tag, an dem er keiner mehr war

Besonders in Erinnerung geblieben ist uns Cookie. Seine Geschichte begann nicht dramatisch, sondern ganz normal. Die Sprechstundenhilfe unseres Tierarztes informierte uns darüber, dass seine Familie ihn loswerden wollte. Mitgeschickt wurden Fotos von Cookie auf dem Arm des kleinen Sohnes, Cookie im Wohnzimmer, Cookie mitten im Familienalltag. Auf den ersten Blick wirkte er wie ein geliebtes Familienmitglied.Doch dieser Eindruck täuschte. Seine Besitzer hatten bereits angekündigt, ihn auf die Straße zu setzen, wenn sich niemand finden würde, der ihn übernimmt. Für einen kleinen Maltipoo wäre das nahezu aussichtslos gewesen.Natürlich konnten wir das nicht zulassen. Als Cookie bei uns ankam, hatte man ihm kurz zuvor noch einen völlig misslungenen Haarschnitt verpasst. Sein Fell war an vielen Stellen kahl geschnitten und musste erst wieder nachwachsen.
Isabelle – gerade noch rechtzeitig

Simba – bevor das Tierheim seine Zukunft wurde

Simba hatte ebenfalls ein Zuhause, doch sein Besitzer wollte ihn plötzlich nicht mehr haben. Warum, wissen wir nicht und es lohnt sich nicht, die Besitzer zu fragen, denn die sehen die Schuld beim Tier. Unsere Hausleiterin erfuhr von Simba und entschied sofort, ihn aufzunehmen. Nicht, weil wir Platz hatten, sondern weil wir verhindern wollten, dass Simba im städtischen Tierheim landet. Simba kam zu uns mit völlig verklettetem Fell, damit, dass Pomeranians viel Fellpflege benötigen, hatte der Besitzer sich offenbar nicht vertraut gemacht.
Blue – abgegeben wie ein Gegenstand

Das eigentliche Problem
Diese Tiere haben wir aufgenommen, weil sie keine andere Chance hatten und weil wir wussten, dass sie gute Vermittlungschancen in Deutschland haben. Doch jeder Platz, den ein abgegebener Rassehund oder eine Rassekatze belegt, fehlt zunächst einem Straßenhund oder einer Straßenkatze, die niemals ein Zuhause hatten.Genau das macht uns traurig, die Verantwortungslosigkeit der Menschen.
Mit verantwortungsvoller Zucht, einer sorgfältigen Auswahl der zukünftigen Halter und einer ehrlichen Aufklärung wären viele dieser Geschichten niemals passiert. Solange sich daran nichts ändert, werden Tierschutzvereine immer häufiger zu Auffangstationen für Tiere, die für ihre Besitzer unbequem geworden sind. Und trotzdem werden wir auch beim nächsten Anruf wieder überlegen, wie wir helfen können, denn am Ende ist jedes dieser Tiere Opfer einer Entscheidung, die ein Mensch getroffen hat und keines von ihnen trägt daran irgendeine Schuld.